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Theater

Theater. Von Schmelzpunkt

Die Performenden befinden sich in einem Garten. Dieser Garten ist ein Raum, ein Raum mit Zeit. Zeit für Spiel, Zeit für zärtliche Begegnungen zwischen Thymian, Rosen, Minze und Ahorn. Gemeinsam erzählen sie Geschichten, an die sich niemand mehr erinnert. Gemeinsam lauschen sie dem Echo des Widerstands, welches von ausserhalb des Gartens ruft. Widerstand ist draussen – die Performenden sind drinnen. In Sicherheit. Dankbar. Sie ziehen sich zurück in gemeinsame Routinen, übersetzen Spiele in Tanz, Sprache in Musik. Sie finden sich wieder in einem Märchen, im Garten, der ihnen ganz allein gehört.

Dankbarkeit. Widerstand. Zwei Begriffe, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. Haben wir noch Widerstand zu leisten, wenn wir doch dankbar sind? Wie viel einfacher ist Dankbarkeit als Widerstand?

Sich den eigenen Privilegien bewusst zu sein, ist wichtig, gar essenziell. Denn das Bewusstsein über die eigenen Privilegien geht mit der Reflexion über die eigene Person, die eigene Geschichte und die Umstände, welche diese bedingen, einher. Das Anerkennen der eigenen Privilegien setzt also eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und den gesellschaftlichen Strukturen, in denen diese stattfindet, voraus.

Dem gegenüber steht ein Trend, der diese Auseinandersetzung nicht mitdenkt. Der Trend, sich zurückzuziehen, in die eigenen vier Wände, einen begrenzten Raum, den ich selbst bestimmen kann. Ein Garten, in dem ich mich verlieren kann, im Farbspiel von Herbstblättern und Frühlingsblumen. Ein Dankbarkeitstrend, der sich im kleinen Rahmen praktizieren lässt. Der nicht danach fragt, wie Privilegien zustande kommen, ein Trend, der da aufhört, wo eben diese Auseinandersetzung beginnen sollte. Ein Trend der Genügsamkeit feiert und Passivität begünstigt.

Die Spielenden suchen gemeinsam nach Strategien mit der Verantwortung für die eigenen Privilegien, umzugehen. In einer Welt, in der das Leben sich immer schneller dreht, immer mehr Stimmen gehört werden wollen und Verantwortung immer leichtfertiger übergangen wird, ist das nicht gerade eine anspruchslose Aufgabe. Da hilft auch JOY nicht, die artifizielle Stimme, die zwar Ratschläge verteilt, letztendlich jedoch genauso ratlos wirkt.

Und doch scheint sich etwas zu verändern. Denn die Zärtlichkeit, mit welcher die Performenden sich begegnen, scheint eine neue Art des Umgangs miteinander zu eröffnen, der jede Art von Gewalt und Ignoranz zu Vergangenheit werden lässt. Stellt sich nur die Frage, wie sie diese Utopie nach draussen tragen?

Eintrittspreis

25.00/15.00

Veranstalter*innen

SCHMELZPUNKT THANKS ist bereits die dritte Produktion von Schmelzpunkt. Der Verein wurde 2018 von sieben jungen Kulturschaffenden ins Leben gerufen. Schmelzpunkt hat sich die Förderung des interdisziplinären und spartenübergreifenden Austauschs zur Aufgabe gemacht. Mit THANKS schliesst Schmelzpunkt nahtlos an die bisherigen Produktionen an und ist erstmals auch in Zürich und Basel zu sehen.


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